Perfektionismus

Per|fek|ti|o|nis|mus, der: übertriebenes Streben nach Perfektion (Duden)

Ich schreibe diesen Post über Perfektionismus nur Minuten, nachdem ich meine provisorische Homepage in einigen Facebook-Gruppen gepostet und damit veröffentlicht habe. Die Seite hatte ich schon eine Weile, aber jetzt wird sie sich auch jemand ansehen. Ich brauchte Wochen, um so weit zu kommen – nicht, weil ich so lange brauchte, um sie aufzusetzen. Nein.

Es dauerte so lange, weil ich meine Ängste bezwingen musste. In anderen Worten: Ich musste meinen eigenen Perfektionismus überwinden.

Letzte Woche war ich auf einem Internationalen Seminar über Perfektionismus. Dort lernte ich viel darüber, wie ich meinen Klienten helfen kann. Aber es brachte mich auch dazu, über meinen eigenen Perfektionismus zu reflektieren.

Hier kann ich nicht den gesamten Inhalt wiedergeben, aber den Teil, der mich am meisten beeindruckt hat. Das war eine Präsentation des (der?) britischen Professional Organizer(in) und Coach  Juliet Landau-Pope darüber, wie man mit perfektionistischen Klienten umgehen kann. Es ging aber auch darum, was man mit seinem eigenen Perfektionismus anfangen soll.

Laut Juliet sind insbesondere die Sozialen Medien für den zunehmende Perfektionismus verantwortlich.

Dem stimme ich absolut zu. Man kann Fotos, Videos, Geschichten von perfekten Häusern, perfekten Klamotten, Schuhen, Handtaschen, Urlauben, Abendessen, Ehepartnern und Kindern finden. Aber Moment mal. Gibt es die wirklich? Nein. Natürlich nicht. Die Medien genauso wie Leute wie Du und ich bevorzugen es, nur perfekte Momente wiederzugeben. Der geliebte Sohn mit seiner süßen kleinen Schwester am Strand im Sonnenschein, ein traumhafter Augenblick. Niemand sieht, dass nur Sekunden nach dieser Momentaufnahme, das Söhnchen sein Schwesterchen mit der Schaufel gehauen hat und sie wie am Spieß schrie, während er immer weiter schlug, Mama vergeblich versuchte, dem Drama ein Ende zu bereiten und alle Leute im Umkreis von 500 Metern die „herzlose“ Mutter anstarrten und ungefragt gute Ratschläge gaben.

Es ist sogar gängig, sich selbst als Perfektionisten zu bezeichnen. Manche Menschen scheinen nämlich zu denken, dass das heutzutage von einem erwartet wird oder gar cool ist.

Wie kannst Du herausfinden, falls Du es nicht schon weißt, dass Du ein Perfektionist bist?
  • Du siehst alles nur in Schwarz und Weiß. Es gibt kein Grau dazwischen. Zum Beispiel: Meine Wohnung ist perfekt aufgeräumt ODER sie ist ein absolutes Chaos. NICHT: Sie ist nicht perfekt aufgeräumt, aber ordentlich und sauber genug, um Freunde hineinzulassen.
  • Du denkst, dass Deine Wohnung ein totaler Sa*haufen ist, aber alle anderen, inklusive eines Aufräumcoaches, sagen, dass sie perfekt ist.
  • Die Verteilung des Durcheinanders in Deiner Wohnung ist ungleich: Manche Räume sind perfekt aufgeräumt, andere ein totales Durcheinander.
  • Deine Wohnung sieht von außen betrachtet blitzblank aus, aber wehe, jemand macht den Schrank oder das Gästezimmer auf!
  • Es könnte sogar sein, dass Du ein komplett chaotisches Haus hast. Das nervt Dich jeden Tag, aber Du denkst: Warum überhaupt anfangen, wenn ich es jetzt sowieso nicht auf einen Rutsch perfekt hinbekomme?
  • Du schiebst Dinge auf, weil Du glaubst, dass Du es nicht sofort zu 100 Prozent richtig hinbekommst.
Aber was ist denn nun eigentlich Perfektionismus?

In einem Wort: ANGST. Es ist die Angst davor, etwas falsch zu machen. Den (eigenen oder eingebildeten) Standard nicht zu erreichen. Nicht gut genug zu sein. Schräg angeschaut zu werden, negative Kommentare zu bekommen, oder abgeurteilt zu werden.

Es gibt sicherlich noch viele verschiedene andere Erklärungen dafür, aber das ist die, an die ich wirklich glaube.

Wie kann ich meinen Perfektionismus überwinden?

Eines vorab: Es ist ziemlich einfach, das hier aufzuschreiben. Es ist ungleich schwieriger, dem auch selbst wirklich zu folgen. Es gelingt mir nicht immer und nicht in jedem Bereich meines Lebens. Verrate es niemandem, aber eigentlich denke ich, in meinem Beruf kann ein klitzekleines bisschen Perfektionismus nicht schaden!

Aber zurück zum Thema. Folgendes kannst Du mal ausprobieren:
  • Frage nicht immer nach den Gründen. Wenn Du Dich fragst, warum Du ein Perfektionist bist, verursachst Du noch mehr Gedankenchaos in Deinem Kopf, das Dich davon abhält, etwas zu unternehmen. Du wirst alles aufschieben. Dabei ist es doch das, was Du erreichen willst: Aktiv werden, ohne allzu viel darüber nachzudenken. Wenn Du den Grund unbedingt wissen willst, schaffe Dir ein bisschen Zeit im Kalender, mach einen Termin bei einem Psychologen oder Psychoanalytiker und hinterfrage es. Aber jetzt lass diese Frage erst einmal beiseite.
  • Stell Dir vor, wie es sein könnte, wenn Du jetzt aktiv würdest. Was, wenn Du den Esstisch wirklich zum Essen benutzen könntest, anstatt auf dem Sofa zu essen, weil der Esstisch voller Papierstapel ist? Du könntest Freunde zum Essen einladen, Brettspiele mit der Familie spielen oder mit den Kindern basteln.
  • Halte Dich nicht mit der Vergangenheit auf (wenn ich doch nur hätte…). Es geht ums Jetzt und Hier. Also lass die Vergangenheit hinter Dir, weil diese Gedanken wieder alles andere ausbremsen – nicht nur in Deinem Kopf, sondern auch in Deinen Handlungen.
  • Drücke Dir nicht selbst einen Stempel auf  (den des Perfektionisten oder Aufschiebers). Das ist nicht, wer Du BIS, sondern das ist, was Du TUST! Perfektionismus und Aufschieberitis sind Gewohnheiten, und die kann man ändern. Ich gebe zu, das ist anstrengend, und es dauert seine Zeit, aber es ist jedem möglich!
  • Bleibe realistisch. Lass die Vorstellungen des malerischen, perfekten Zuhauses los. Deine 80-Quadratmeter-Wohnung wird niemals dieses 60 Quadratmeter große Wohnzimmer haben, dass Du neulich so in „Schöner Wohnen“ bewundert hast. Mit Familie, Kindern und vielleicht noch Haustieren ist ein  Haus zum Leben da, und nicht, um für Zeitschriften fotografiert zu werden. Beides ist möglich, aber bleibe erst einmal praktisch und passe Dein Haus oder Deine Wohnung an Deine Bedürfnisse, Deinen Geschmack und Dein tägliches Leben an.
Das Perfekte ist der Feind des Guten!

Und meistens ist gut – gut genug. Wir reden ja hier nicht über Gehirnchirurgie. Wusstest Du, dass Du 20% Deiner Zeit und Energie verwendest, um 80% einer Aufgabe zu erledigen? Anschließend brauchst Du Deine verblieben 80% Energie, um die restlichen 20% Deiner Aufgabe fertigzustellen.

Warum solltest Du Dir also nicht diese 80% Energie sparen und einfach mal eine E-Mail wegschicken, die gut genug ist? Ein Essen servieren, das gut genug ist? Oder Dein Haus in einem Zustand belassen, in dem es ordentlich genug ist? All das auf 100% zu bringen, kostet Dich so viel Kraft, die Du für andere Sachen gebrauchen kannst: Zeit für Dich selbst, oder um mit Deinen Kindern zu spielen, oder eine neue Sprache zu lernen…

Ich habe das ausprobiert, und hier schließt sich der Kreis meiner Geschichte:

Ich habe:
– eine Homepage veröffentlicht, auf der irgendwelche Stockphotos sind, die nicht die richtige Schriftart, die falschen Farben und kein Logo hat (mittlerweile ist die Seite „ganz meine“, aber noch immer nicht perfekt. Das wird sie vermutlich auch nie sein. Ich bin ja nur ein nicht perfekter Mensch.)
– eine Aufräumchallenge angeboten, ohne zu wissen, ob sie gut genug ist.
– meine Angst überwunden, weil ich ansonsten niemals angefangen hätte.

“Wenn Du immer nur das tust, was Du schon immer getan hast, wirst Du immer nur das bekommen, was Du schon immer bekommen hast.” (Henry Ford)

Das alles ist neu für mich. Es ist mein neues kleines Unternehmen. Ich habe große Angst, und ich muss damit herumexperimentieren. Und ich werde bekommen, was ich noch nie hatte! Die Freude daran, dass zu tun, was mir in die Wiege gelegt wurde, was ich liebe und was mir Spaß macht, und was ich wichtig finde. Und wenn ich Fehler mache, weiß ich beim nächsten Mal, was ich besser machen kann. Es ist learning by doing.

Ich fordere Dich heraus, ebenfalls Deine Ängste zu überwinden. Experimentiere mit der 80/20-Regel. Mach absichtlich mal etwas nicht ganz perfekt, nur um zu sehen, was passiert. Wenn es klappt: Super! Du hast Dir viel Zeit und Kraft gespart. Gut gemacht. Falls Du einen Fehler gemacht hast, lernst Du daraus, was Du noch verbessern kannst. Also, fang einfach mal an, einen Raum aufzuräumen. Mach soweit Du kommst, und hör auf, wenn Du nicht mehr kannst, auch wenn es nicht perfekt ist. Mach morgen weiter. Oder entrümpele Stück für Stück: Ein Ding pro Tag, zum Beispiel.

Was sind Deine großen Ängste? Hast Du sie schon mal erfolgreich bekämpft?

Wenn Du Hilfe brauchst, bin ich für Dich da, um daraus ein Projekt mit Leichtigkeit und Spaß zu machen. Hinterlasse hier einen Kommentar oder kontaktiere mich für ein kostenloses, unverbindliches Gespräch, bei dem wir gemeinsam herausfinden können, wie Du Deine Ängste überwinden kannst. Du bist natürlich auch herzlich eingeladen, direkt eines meiner Angebote zu buchen.

 

Kontaktiere mich für ein kostenloses Erstgespräch!

11 + 10 =

0 Kommentare

Trackbacks/Pingbacks

  1. Warum Du Dir Hilfe beim Aufräumen holen solltest | The Space Woman - […] es schnell zu viel. Oft ist es auch einfach der ganz normale Wahnsinn des Alltags. Oder der eigene Perfektionismus…

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

blauer Ballon

 

Subscribe to your FREE Space Woman Challenge here and learn how to create more space in your life in 5 days.

You have Successfully Subscribed!

blauer Ballon

 

Trage Dich hier für die
KOSTENLOSE Space Woman Challenge ein und lerne in 5 Tagen,
wie Du Deinem Leben wieder mehr Raum geben kannst.

You have Successfully Subscribed!