Minimalismus – oder Genugismus?

[Genugismus: Meine persönliche Variante des Minimalismus]

Man könnte mich eine Minimalistin nennen, aber ich selbst sehe mich mehr als “Genugistin”. Damit meine ich, dass ich mich auf die Dinge konzentriere, die mich in dem Leben, dass ich mir wünsche, verankern. Alle anderen Dinge lasse ich los.

Genugismus ist eigentlich wie Minimalismus. Nur ein bisschen anders. Von außen betrachtet bin ich wahrscheinlich eine Minimalistin. Aber eine praktische, bodenständige, die erkannt hat, dass das Familienleben mehr beinhaltet als weiße Möbel, kahle Wände und leere Räume. Dass dieses Leben Sachen, Dinge mit sich bringt – Sportsachen, Kindersachen, administrative Sachen, Küchensachen und vieles mehr. Darum nenne ich mich selbst eine Genugistin. Aber was ist nun der Unterschied zum Minimalismus?

Laut dem englischen Wörterbuch Merriam-Webster ist Minimalismus: “ein Stil oder eine Technik (in Musik, Literatur oder Design), die sich durch extreme Dürftigkeit und Einfachheit auszeichnet. Der Duden kommt der Sache schon ein klein wenig näher: „bewusste Beschränkung auf ein Minimum, auf das Nötigste“.

Extreme Dürftigkeit und Einfachheit klingen unglaublich unbequem und ungemütlich, oder? Nicht wirklich passend zu all dem, was das Leben mit Familie, Haustieren, Haus, Garten oder Auto mit sich bringt.

Als ich den Minimalismus für mich entdeckt hatte, las ich alles, was ich finden konnte: Bücher, Zeitschriften, Blogs, Zeitungsartikel. Ich fand heraus, dass es viele Minimalisten gibt, die sich an der 100-Dinge-Challenge versucht hatten, der erste von ihnen David Michael Bruno. Das ist eine Challenge für einfaches Leben, bei der man sich für ein Jahr oder länger auf 100 persönliche Besitztümer beschränkt.

Das beeindruckte mich sehr, und ich wollte es gern ausprobieren. Dann holte mich die Realität ein: Ich habe nicht viele Klamotten, aber ich mag sie alle gern. Ich besitze einige elektronische Geräte, die ich regelmäßig benutze, und zu allen gehören diverse Kabel. Wo zieht man die Grenze zwischen “persönlichen” und “gemeinschaftlichen“ Gegenständen? Und die wichtigste Frage: WARUM sollte ich das machen? Als alleinstehende Person hätte ich es sehr spannend gefunden. Aber mit einer Familie, Haustieren und meinem eigenen kleinen Unternehmen? Ich wollte nicht noch mehr Stress, Gedanken, Bedingungen, Regeln und Verpflichtungen in meinem Leben. Die hätten mir dann das HIRN total vermüllt. Also entschied ich mich dagegen.

Eines der ersten Bücher, das ich jemals übers Organisieren gelesen habe, war Marie Kondos „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“.

Wir hatten kein Problem mit Gerümpel oder Unordnung. Dennoch war ich so fasziniert von ihren Ideen, dass ich die Methode auf unser gesamtes Haus anwandte. Es funktionierte prima, aber ich fand es schwierig,  nur die Sachen zu behalten, die mir “Freude machten“ (spark joy im Englischen). Macht mir ein Schraubenzieher Freude? Nein, aber ich brauche manchmal einen. Ihr zweites Buch erklärt, wie man damit umgehen soll, aber das wusste ich damals noch nicht. Also behielt ich alles, was ich für nötig hielt, auch wenn es mir keine Freude machte.

Eine Weile danach stieß ich auf ein Zitat, dass zusammenfasst was ich wirklich wollte:

“Habe nichts in Deinem Haus, von dem Du nicht weißt, dass es nützlich ist, oder dass Du schön findest.

(Have nothing in your house that you do not know to be useful, or believe to be beautiful.)”

(William Morris, 1834-1896)

Das ist doch was! Ein nützlicher Schraubenzieher, ein schönes Familienfoto, eine schöne und nützliche Decke auf dem Sofa! Das leuchtete mir ein, und es ist mein absolutes Organisations-Minimalismus-Lieblingszitat. Der Genugismus war geboren. Nein, ich habe ihn nicht ganz allein erfunden, aber ich bin die erste und bisher einzige, die ihn im Deutschen verwendet. Ja, der Begriff „Genugismus“ ist ein wenig sperrig… Das erste mal habe ich bei nosidebar.com vom Genugismus, englisch „Enoughism“, gelesen.

Ich möchte keine unnötigen Dinge oder Krempel in meinem Haus und Leben haben. Um jeden einzelnen Gegenstand muss man sich kümmern.

Es gibt eine Kette oder einen “Lebenslauf” der Gegenstände. Du:

  • kaufst ihn, er kostet Geld.
  • benutzt ihn (im besten Fall).
  • musst ihn reinigen, aufräumen, aus dem Weg nehmen, wenn Du andere Gegenstände erreichen möchtest. Das kostet Zeit.
  • möchtest ihn aufbewahren oder lagern – Zeit und Geld. (more about the cost of things)
  • lässt ihn warten oder reparieren – Zeit und Geld.
  • Wenn er das Ende seines Lebens erreicht hat, musst Du womöglich noch für sein Recycling bezahlen, oder er trägt zum Müllproblem und der Umweltverschmutzung bei.

Mit jedem Gegenstand, den ich nicht besitze, spare ich also Geld, Zeit und Platz.

Platz in meinem Raum, den ich für wichtigere Sachen oder leichteres Erreichen anderer Gegenstände nutzen kann. Platz in meinen Räumen und Zeit in meinem Tagesablauf, die ich zum Spielen mit den Kindern und dem Hund nutzen kann. Oder um mit Freunden und Familie zusammen zu sein. Anstatt wieder und wieder zu putzen und zu (re-)organisieren, kann ich einfach nach draußen gehen und die verschiedenen Jahreszeiten mit meinen Kindern genießen.

Genugismus kann das Leben also nicht nur günstiger, sondern auch einfacher, entspannter und insgesamt…schöner machen.

Nachdem ich das für mich selbst herausgefunden und alle unnötigen Dinge aus dem Haus verbannt hatte, wirkte unser Haus größer. Das Aufräumen war selbst für meinen damals zweijährigen Sohn ein Leichtes. Das ganze Haus gründlichst von oben bis unten zu putzen dauerte maximal zwei Stunden. Einige Monate später konnten wir problemlos in ein kleineres Haus mit einem großen Garten umziehen und so gleichzeitig Miete sparen und mehr von dem Leben in der Natur genießen.

Zusammenfassend ist also aus meiner Sicht „Genugismus“ eine spezielle Form des Minimalismus, bei der man nicht alles um jeden Preis auf ein absolutes Minimum reduziert.

Vielmehr konzentriert man sich auf die Dinge, die das Leben, dass man führen möchte, ermöglichen und bereichern. Alle Dinge, die dieses Leben nicht fördern oder ihm gar im Leben stehen, reduziert man. Man ist genügsam, man hat genug von allem, aber nicht zuviel. Und das ist für jeden individuell.

Was sind Deine Beweggründe? Möchtest Du auch ein Genugist sein?

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